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Eins ist sicher: Das gerade begonnene Jahr scheint wieder einmal ganz im Zeichen wachsender Sicherheitsgesetze und neuer Sicherheits-Regelungen zu stehen.

genackt-scannte Frau

genackt-scannte Frau

Nach dem in allerletzter Sekunde vereitelten Anschlag eines Al-Qaida- Anhängers auf ein US-amerikanisches Passagierflugzeug am 25. Dezember des letzten Jahres, ist auch hierzulande die Debatte um weitere und noch strengere Sicherheitsmaßnahmen an deutschen Flughäfen neu entfacht.

Seit November 2006 dürfen die Passagiere im EU-Raum bereits keine Flüssigkeiten in Behältern, die ein größeres Fassungsvolumen als 100 ml haben, mitführen. Der Nutzen dieser Maßnahme scheint bis heute nicht ganz klar. Und tatsächlich kann es zumindest auf einen Laien seltsam anmuten, dass man zu große Tuben Body Lotion vor der Sicherheitsschleuse wegwerfen muss, aber nach der Sicherheitsschleuse in den Duty-free Shops potentiell explosive Stoffe kaufen darf (von den Kosten in Millionenhöhe für die Entsorgung der Tonnen an Cremedosen, Parfumfläschchen und Zahnpastatuben sei hier gar nicht erst die Rede…).

Doch das war 2009. Jetzt schreiben wir das Jahr 2010, und es scheint der neueste Sicherheitscoup bereits gefunden: Der Nacktscanner!

Die nackte Nonne, der nackte Rabbi

Mit dem Nacktscanner, oder auch Ganzkörperscanner genannt, ist es möglich die Oberfläche des menschlichen Körpers abzubilden und eventuelle Waffen, die der Gescannte unter der Kleidung am Körper trägt, sichtbar zu machen.

Der Nebeneffekt ist jedoch, dass der Sicherheitsbeamte am Flughafen den Gescannten buchstäblich nackt auf dem Computerbild vor sich sieht.

Und so sind wir bereits am Flughafen in einen vorhimmlischen Zustand versetzt, in dem wir im Adamskostüm vor unsere allwissenden und unfehlbaren Wächter treten, die über unseren Einlass in die heiligen Hallen der Airport Security Area entscheiden.

Datenschützer und Menschenrechtler halten diese Vorstellung allerdings eher für ein Höllenszenario.

In diesem Sinne gibt auch der Generalsekretär der FDP Christian Lindner sinngemäß zu bedenken, dass die Würde des Menschen nicht am Flughafenschalter enden dürfe.

Ob man sich seiner Würde beraubt fühlt, wenn der Sicherheitsbeamte ein Nacktbild von einem sieht, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Unbestritten ist jedoch, dass die Scanner diese Entscheidung den Fluggästen abnehmen. Und so müssen demnächst vielleicht alle Menschen einen solchen Nacktscanner passieren, auf ihrem Flug von Stuttgart nach Leipzig. Sowohl die Nonne, als auch das 14 jährige Mädchen, der 6 jährige Knabe und der stark übergewichtige Rentner mit dem künstlichen Darmausgang werden also von den Scannern aufgenommen und im nackten Zustand fotografiert. Dieser Einschnitt in die Persönlichkeitsrechte erscheint umso problematischer, wenn man sich den ungewissen Nutzen der Nacktscanner vergegenwärtigt. So können beispielsweise Körperöffnungen gar nicht erst untersucht werden, was findigen Terroristen nach wie vor die Möglichkeit eröffnet verbotene Substanzen in das Flugzeug zu schmuggeln. Sogar der Product Manager der Firma QinetiQ, die die Nacktscanner herstellt, hat unlängst eingestanden, dass der sogenannte Unterhosenbomber vom 25. Dezember wohl auch die Nacktscanner problemlos überwunden hätte.

Bestimmt wird der aufmerksame Leser einwenden, dass die Bedenken, die in den obigen Zeilen geäußert wurden schon längst obsolet geworden sind, da die neueste Generation der Nacktscanner, dem Sicherheitsbeamten keine Nacktbilder der Fluggäste mehr liefert, sondern lediglich ein Piktogramm des Körpers, an dem verdächtige Gegenstände besonders hervorgehoben werden.

Doch das Prinzip ist das gleiche. Außerdem bleibt das wichtigste, nämlich die Frage wie wir alle mit einer –wie auch immer gearteten- terroristischen Bedrohung in Deutschland umgehen sollten, trotz aller FKK-Flughäfen- und Sauna-Security- Debatten ungeklärt.

Wir sind schwach, verängstigt und hilflos!! Bitte beschütze uns, Vater Staat!!

Gewiss, der Staat sollte seine ganzen Anstrengungen darauf verwenden seine Bürger zu schützen, das steht außer Frage. Jedoch müssen gewisse Grenzen  -unserer Grundrechte wegen- unbedingt bewahrt bleiben. Zu beobachten ist dessen ungeachtet die Entwicklung immer weiterer Sicherheitsmaßnahmen zu Ungunsten der persönlichen Freiheit der Bürger.

Der politische Aktionismus nach jedem Amoklauf oder Terroranschlag ist bekannt. Sofort werden noch striktere Sicherheitsmaßnahmen gefordert, um den Bürgern das Gefühl zu suggerieren der Staat werde zukünftig solche Tragödien zu verhindern wissen. Doch seien wir ehrlich: Der Staat wird niemals in der Lage sein, seinen Bürgern einen allumfassenden Schutz zu garantieren. Leider scheint es kaum einen Politiker zu geben, der dies offen und ehrlich in der Öffentlichkeit artikuliert.

Da keiner sich dem Vorwurf der Untätigkeit gefallen lassen will und keiner die politische Verantwortung für derartige Unglücke tragen will, ufern die staatlichen Sicherheitsbemühungen schier aus. Um den Nutzen der Maßnahmen, scheint es dabei in erster Linie gar nicht mehr zu gehen.

Und so gibt es mittlerweile kaum einen öffentlichen Platz mehr, der nicht videoüberwacht wird. Rasterfahndungen, der große Lauschangriff, die Erfassung von KFZ-Kennzeichen, die massenhafte Langzeiterfassung von Telekommunikationsdaten, das SWIFT-Abkommen sind zur Realität geworden. Und nur ganz knapp konnte die von der damaligen Familienministerin und heutigen Arbeitsministerin Ursula von der Leyen geplante unsinnige Internetzensur zumindest zeitweise aufgeschoben werden.

Wenn man sich den politischen Eifer ansieht, wenn es darum geht Regeln zum Schutze der Bevölkerung aufzustellen, fragt man sich wo eine Grenze gezogen wird. Werden wir uns demnächst auch an Nacktscanner oder ähnlichem an Bahnhöfen, Einkaufszentren, Fußballstadien, Kinderspielplätzen und Schulen gewöhnen müssen?

Oder sollten wir uns nicht eher einfach damit abfinden, dass bei den 82 Millionen Staatsbürgern Deutschlands alle paar Jahre eine verzweifelte Existenz dabei ist, die durchdreht und einen Amoklauf in einer Schule verübt?

Sollte man daher Angst haben eine Schule zu betreten? Oder sollte deswegen eine Musikrichtung oder das Lieblingscomputerspiel des Amokläufers verboten werden?

Und vielleicht müssen wir uns eingestehen, dass bei einem Flugaufkommen von mehr als 2 Milliarden Passagieren pro Jahr, die Chancen einer vollkommenden Sicherheit in unseren Flugzeugen gegen Null gehen.

Ich will nicht dem Vorwurf der Untätigkeit oder Naivität verfallen, aber eine Politik des Augenmaßes sowie eine gesunde Portion Gelassenheit und Trotz sind ganz besonders auch in solch turbulenten Zeiten, wie den unsrigen, unentbehrlich.

Denn besser als jede Schutzmaßnahme des Staates ist Zivilcourage, wie man auch an dem jüngsten Beispiel des versuchten Flugzeugbomber sehen kann, der zwar durch sämtliche Sicherheitsschranken am Flughafen spaziert ist aber letztendlich erst durch den beherzten Einsatz einiger couragierter Passagiere (wo waren eigentlich die Sky-Marshalls?) gestoppt werden konnte.

Das einzige was wir Terroristen entgegenzusetzen haben ist unsere Zivilcourage und unsere unerschütterliche Absicht so weiterzuleben wie es jeder einzelne für sich ausmacht.

Wir müssen verhindern, dass Terroristen, Amokläufer oder sonstige verquerte Individuen unsere Gesetzte und unsere Lebensweise diktieren, da sie wohl um die reflexartigen Handlungen unserer Politiker wissen, nach jedem neuen Anschlag weitere „Sicherheits“- Gesetze zu erlassen, die unsere Freiheit immer weiter beschneiden.

Wenn Superman sich bewirbt…

September 15th, 2009

     aus: Karicatoon 2009. Espresso Verlag.

aus: Karicartoon 2009. Espresso Verlag.

Wenn man bei google den Begriff „Lebenslauf“ eingibt, so liefert einem die Suchmaschine derzeit weit über 5 Millionen Ergebnisse. Ein schier endloses Angebot an Tipps und Tricks für die individuelle Anfertigung eines erfolgversprechenden Curriculum Vitae. Doch all diese Anleitungen und Vorgaben können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Standard-Lebenslauf doch häufig den gleichen Mustern folgt.

So wird das Erasmusjahr in Salamanca, in dem man kaum mehr als zwei Vorlesungen die Woche komplett und nüchtern miterlebt hat, gerne als wichtige akademische und kulturelle Erfahrung hervorgehoben. Quasi als Nebeneffekt hat man sich dabei auch die so wichtigen „hervorragenden“ Fremdsprachenkenntnisse angeeignet – obwohl man eigentlich fast nur mit den anderen Deutschen, Amerikanern und Italienern verkehrt hat und, bis auf mit der netten Köchin in der Mensa, kaum je ein Wort Spanisch gesprochen hat.

Da – neben dem vorausgesetzten Englisch – eine dritte Sprache nötig geworden ist, greift man gerne auf die 2 Jahre Französisch in der Schule zurück. Bei der Einschätzung taucht dann die Frage auf ob man dieses Schulfranzösisch, mit dem man zwar gerade einmal so einen café au lait auf der Champs Elliseé bestellen kann, aber das nicht ausreicht, um sich danach über die astronomische Rechnung zu pikieren, mit „Muttersprachliches Niveau“ oder doch nur mit „sehr gut in Wort und Schrift“ titulieren solle.

Soziales Engagement? Natürlich wird dieses mittlerweile von den Mitarbeitern der Personalabteilungen erwartet und so kommt es, dass die einmal in der U-Bahn gekaufte Obdachlosen-Zeitung, gleich im Lebenslauf mit „Ehrenamtliches Engagement zum Wohle von Bedürftigen und zur Hilfe deren tägliche Lebenssituation zu verbessern“ vermerkt wird.

Auch Sport ist wichtig, hört sich gut an und sollte daher in keinem Lebenslauf fehlen. Genauer gesagt: eine Teamsportart, die die eigene Teamfähigkeit unterstreichen soll und eine Ausdauersportart (am besten man bezeichnet sich gleich als ehrgeizigen Marathon-Läufer), um eindrucksvoll zu zeigen, dass man bereit ist hart und beharrlich zu arbeiten, um sein gesetztes Ziel zu erreichen.

Abschließend noch den Strandurlaub am Plattensee mit Abstecher nach Budapest als die obligatorische Weltreise mit Rucksack verkaufen und als Hobbies Lesen und Architektur angeben… Fertig ist der perfekte Lebenslauf.

Gewiss, all diese Beispiele sind bewusst übertrieben, jedoch drängt sich in der Tat der Eindruck auf, dass häufig Wunschvorstellungen und taktische Überlegungen anstatt einer realistischen Selbsteinschätzung die eigenen Fähigkeiten beschreiben.

Der Ehrliche ist der Dumme?

Es scheint, dass der Verfasser eines Lebenslaufes in einer „systemischen“ Falle sitzt: Wie viel Ehrlichkeit kann gewagt werden um authentisch zu bleiben aber dennoch zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden? Die Abwägung ist ebenso schwierig wie heikel, da sie ja stark vom vermuteten Verhalten der anderen Bewerber beeinflusst wird.

Natürlich geht es beim Bewerbungsschreiben, in dem ja der Lebenslauf einen entscheidenden Teil bildet, darum seine Stärken herauszustellen, sich selbstbewusst  und motiviert zu präsentieren sowie zu zeigen, dass man zu dem Unternehmen passt bei dem man sich bewirbt.

Und absolut unbestritten bilden der Lebenslauf und die weiteren Bewerbungsunterlagen oft die Grundlage auf derer entschieden wird, ob man zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird oder nicht. So wichtig das ist, der Lebenslauf sollte dennoch nicht darin münden, reine Propaganda in eigener Sache zu betreiben.

Ich würde natürlich nicht so weit gehen zu behaupten, dass der Lebenslauf als Plattform für vorsätzliche Lügen oder unsachgemäßer Hinzufügungen genutzt wird, jedoch würde ich mich zu der Aussage hinreißen lassen, dass Schönfärberei durchaus in erheblichen Maß als stilistisches Mittel beim Verfassen des Lebenslaufes genutzt wird. Daher trage ich den Apell nach mehr Ehrlichkeit hinaus an alle Personaler und alle Bewerber den Mut aufzubringen, realistische und selbstkritische Lebensläufe zu würdigen bzw. zu verfassen.

Denn wäre nicht allen geholfen, wenn wir alle einen Gang runter schalteten und uns wieder trauten eine realistische und kritische Selbsteinschätzung im Lebenslauf abzuliefern?
Wäre es nicht auch weiterbringender für die Personaler, wenn sie nicht hinter jeder positiven Angabe zu Sprach- oder EDV-Kenntnissen Schönfärberei vermuten müssten?

Und würden die Chancen nicht für jeden gleich bleiben, wenn alle den alleinigen Maßstab der Ehrlichkeit als Bewertungskriterium anwendeten?

Wahrscheinlich…, doch da man sich lieber nicht darauf verlassen will, dass alle anderen Bewerber sich auch selbstkritisch bewerten, wird das Spiel wohl weitergehen…