Das große Schlemmen

September 14th, 2009

Josef Ackermann

„Sie (Merkel) hat mir damals gesagt, sie würde gerne etwas für mich tun. Ich soll doch einmal etwa 30 Freunde und Freundinnen einladen aus Deutschland oder der Welt, mit denen ich gerne einen Abend zusammen sein würde – im Kanzleramt. Und ich muss sagen, das war ein wunderschöner Abend.“

Als der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank Josef Ackermann, diese Worte vor

Angela Merkel

gut einem Monat in einem ZDF-Interview sagte, ahnte er wohl nicht welche Konsequenzen sie nach sich ziehen sollten. Die anschließenden Debatten in den Medien wurden teilweise laut und aufgeregt geführt, doch trafen sie häufig nicht die eigentliche Problematik dieser Einladung.

So wurde z.B. die Distanzlosigkeit der Kanzlerin, stellvertretend für die gesamte Politik, zur Wirtschaft kritisiert, aber auch die Intransparenz und die Höhe der Kosten wurden angeprangert. Allzu gerne wurde sich auch auf das Geburtstagskind selbst eingeschossen. Es passte scheinbar gut ins Bild vieler, dass ausgerechnet der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank Josef Ackermann auf Kosten der Steuerzahler eingeladen wurde. Ausgerechnet Ackermann, der ja nicht erst seit der Finanzkrise zur absoluten Lieblings-Reizfigur einiger deutscher Medien stilisiert wurde.

Die wirkliche Brisanz dieser Einladung der Kanzlerin ist jedoch darin zu sehen, dass sie ihn dazu ermunterte 30 seiner privaten Freunde einzuladen. Zwar beteuerte das Kanzleramt im nachhinein den Geburtstag von Herrn Ackermann lediglich zum Anlass genommen zu haben, ein Abendessen mit Vertretern aus Wirtschaft und Gesellschaft zu veranstalten, dennoch bleibt es schwierig nachzuvollziehen, worin der eigentliche Nutzen der Einladung zu sehen ist.

War es tatsächlich ein offizieller Anlass, dann scheint es wenig plausibel, warum sich die Bundeskanzlerin die Gästeliste von Herrn Ackermann diktieren lassen sollte.

Lud die Kanzlerin hingegen aus privaten Anlass, so ist es kaum vermittelbar, warum sie die Rechnung für ihre Gäste dann nicht auch aus privater Tasche gezahlt hat.

Zugegeben, die bekanntgewordenen Kosten von 2100 € für das zusätzliche Personal sowie die weiteren Kosten für das eigentliche Dinner, stellen für den Bundesetat nicht mehr als Peanuts dar (um sich mal dem Bänker-Jargon der Deutschen Bank zu bedienen), doch geht es dem Prinzip nach überhaupt nicht um die Höhe der finanziellen Aufwendungen für die illustre Abendveranstaltung.

Vielmehr geht es um die Art und Weise wie leichtfertig und selbstherrlich in Deutschland teilweise mit Steuergeldern umgegangen zu werden scheint. Unbestreitbar ist die Außenwirkung dieser Einladung verheerend, liefert sie doch dem prominenten Bild der Politiker als Verschwender unserer Steuergelder neuen Vorschub.

Und wenn man die Geschichte auf ihren Kern herunter bricht, ist es in der Tat schwierig Gründe zu finden, die es rechtfertigten warum die Kanzlerin eine Abendveranstaltung für einen Privatmann und für 30 seiner privaten Freunde auf Rechnung der Steuerzahler ausrichten dürfe, ganz gleich ob es sich dabei um den Dalai Lama, den Papst oder eben um den streitbaren Deutschen Bank-Chef handelt.

Sicherlich hat die Kanzlerin Herrn Ackermann weder aus rein persönlicher Zuneigung noch aus purem Zeitvertreib ins Kanzleramt geladen, jedoch bleibt die Frage nach der Legitimation der Abwälzung der Kosten auf die Öffentlichkeit bestehen.

Der schlichte Verweis, dass solche Einladungen gang und gäbe seinen und nicht nur von der Kanzlerin, sondern auch von ihren Vorgängern und anderen Spitzenpolitikern ausgesprochen wurden und werden, stellt keine befriedigende Rechtfertigung dar. Im Gegenteil: Genau dieser Umstand, dass es Politikern möglich ist zu Veranstaltungen zu laden, die vom Steuerzahler finanziert werden aber bei denen nicht klar erkennbar ist, ob sie geschäftlichen oder privaten Charakter haben, treiben einem Sorgenfalten auf die Stirn, wenn man daran denkt wie sorgsam mit den Mitteln der Steuerzahler umgegangen wird…



  1.   Joseph A. sagt:

    Klar ist die öffentliche Reaktion enorm und sehr negativ. Zu Recht. Da fühlt man sich doch ganz schön verarscht. Obwohl solche Lobbyveranstaltungen ja nicht unüblich sind.
    Peace.

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